PostHeaderIcon Stevia - Was steckt hinter dem Hype?

Die EU hat vor wenigen Tagen die aus den Blättern der Steviapflanze gewonnenen Stevioside unter bestimmten Verarbeitungsbedingungen als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen. Diese Substanzen haben eine um 300mal höhere Süßkraft als Zucker, sind natürlichen Ursprungs und kalorienfrei. Seit einigen Jahren erfreut sich Stevia bei einer kleinen Klientel großer Beliebtheit, musste in der EU jedoch getarnt als Badezusatz gekauft werden. Dies hatte zur Folge, dass meist nur reines Steviosid in den Handel kam. Dieses schmeckt teilweise bitter und ist nur sehr schwer zu portionieren.

Zulassung mit Einschränkung

Die EU-Zulassung gilt nur für etwa  30 Kategorien von Lebensmitteln. Darunter fallen unter anderem Schokolade, Softdrinks und Frühstückscerealien. Die EU will verhindern, dass zu große Mengen Steviosid verzehrt werden. Dies gründet vermutlich auf einer schon etwas älteren Studie an Ratten, Hühnern und Hamstern, die eine gesundheitsschädliche Wirkung von Stevia nachwies. „Das Problem der Studie war, dass mit enormen Mengen getestet wurde. Hochgerechnet auf einen 65kg schweren Menschen müsste dieser circa 35kg frische Steviablätter pro Tag zu sich nehmen, um seine Gesundheit zu beeinträchtigen“ rechnet Michael Zechmann vor. Der Biologe ist Präsident der Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit und setzt sich seit 2004 mit seiner Internetplattform www.nahrungsmittel-intoleranz.com für Menschen mit Nahrungsmittelintoleranzen ein. „Gerade bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit, wo man auch auf bestimmte alternative Süßungsmittel verzichten sollte, bietet Stevia eine wunderbare Möglichkeit Süßes ohne Reue genießen zu können.“ Die Plattform hat sich seit 2009 intensiv mit Stevia auseinandergesetzt und auch verschiedenen Produkte und Steviarezepte getestet. Die Produkte waren bis dato nur im EU-Ausland oder über das Internet zu bekommen. Das bisher in Europa erhältliche reine Steviosid war sehr schwer zu dosieren und hatte oft einen bitteren Nachgeschmack. In Ländern, in denen Stevia schon lange erlaubt ist, gibt es hingegen sehr ausgereifte Produkte, die weder bitter, noch schwer zu portionieren sind.

Stevia wird Zucker nicht ersetzen können

„In unseren Untersuchungen hat sich gezeigt, dass Stevia nur in Kombination mit anderen Stoffen seine Bitterkeit verliert. Daher ist zu hoffen, dass diese Zusatzstoffe auch für Menschen mit Intoleranzen  verträglich sein werden.“  Konsumenten sollten sich daher die Zutatenlisten genau durchlesen. Zucker einfach durch Stevia zu ersetzten funktioniert auch nicht, da dann dem Lebensmittel Volumen fehlen würde. Bei einem Kuchen wäre die Krume hart, der ausgebackene Teig steinhart. Das heißt es müssen andere Stoffe zugefügt werden. Meistens sind dies Zellulose, Traubenzucker oder Erythritol, ein Zuckeralkohol der eine ähnliche Konsistenz wie Zucker hat und selbst auch süß schmeckt. Zechmann glaubt aber nicht daran, dass Steviaprodukte den Markt überschwemmen werden. In den Ländern, in denen Stevia bereits länger zugelassen war, finden sich nur wenige Produkte in den Regalen der Supermärkte.

Es wird spannend werden, mit welchen Produkten  die Lebensmittelindustrie auf die Zulassung reagieren wird.

 
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