Bauerbund kritisiert Reformstau

Geschlossenheit zeigten die Vertreter der bäuerlichen Welt im Bezirk Kitzbühel. Im Bild (von links): Bauernbundobmann-Stellvertreter Bernhard Keiler, Bauernbunddirektor Peter Raggl, Kammerpräsident Josef Hechenberger, Bezirksbäuerin Helga Brunschmid, LH-Stv. Anton Steixner und Bezirksbauernbundobmann Josef Edenhauser.
Foto: Tiroler Bauernbund
Mit Jakob Auer wird ein gebürtiger Kirchberger neuer Österreichischer Bauernbundpräsident – 4 Mio. Euro werden in die Lehranstalt Weitau investiert
100 Funktionäre des Bauernbundes, der Bäuerinnenorganisation und der Jungbauernschaft informierten sich bei der Herbstkonferenz in Kirchdorf zu aktuellen agrarischen Themen. Von Haflingern über die Milchmengensteuerung bis hin zu den Agrargemeinschaften und der gemeinsamen Agrarpolitik in Europa reichte die Palette.
Von einer „schwierigen Situation“, spricht Bauernbundobmann LH-Stv. Anton Steixner. Auf Bundesebene hat ihn der Rücktritt des österreichischen Bauernbundpräsidenten Fritz Grillitsch überrascht. „Aber mit Jakob Auer, einem gebürtigen Kirchberger haben wir einen neuen starken Bauernvertreter an der Spitze“, sagt Steixner. Er hofft, dass damit auch Tiroler Interessen gut vertreten werden. Auer zog mit 14 Jahren nach Oberösterreich und ist mittlerweile der längstdienende Abgeordnete im Nationalrat.
Schuldenbremse muss kommen
Steixner kritisiert den Reformstau auf Bundesebene. „Wenn jetzt gegen die Schuldenbremse argumentiert wird, verstehe ich die Welt nicht mehr. Die Volkspartei muss weiter für einen stabilen Staatshaushalt eintreten, sonst stehen wir vor viel größeren Problemen“, so der Tiroler LH-Stv. Er sieht sogar das Triple-A-Rating für Österreich in Gefahr. „Und wird wollen das faktische Pensionsalter nicht erhöhen“, schüttelt der Bauernvertreter den Kopf. Dies sein ein Verrat an der Jugend. „Wir müssen jetzt sparen. Die Gratis-Politik ist der falsche Weg. Wir haben in Tirol gut gewirtschaftet und deswegen ist auch das Agrarbudget auf Landesebene stabil“, sagt Steixner. Er will auch weiterhin für bäuerliche Investitionen Geld zur Verfügung stellen. So wird etwa in St. Johann an der landwirtschaftlichen Lehranstalt Weitau die stolze Summe von 4 Mio. Euro in die Werkstätten für Metall- und Holzverarbeitung, die Forstwerkstätten und der Bereich der Pferdewirtschaft investiert. „Auf Landesebene möchte ich für Hofübernehmer über den Landeskulturfonds bessere Bedingungen bei den Investitionskrediten schaffen. Wenn eine junge Bauernfamilie in den Hof investiert, heißt das, dass sie die Landwirtschaft weiter aktiv bewirtschaften will“, erklärt LH-Stv. Steixner.
Gemeinsame Agrarpolitik in Europa
Für die nächste Finanzperiode für die Jahre 2014 bis 2020 liegen aktuell die Vorschläge auf dem Tisch. LH-Stv. Anton Steixner hofft weiter auf die starke Unterstützung für die Bergbauern. „Die Arbeit der Bauern im Berggebiet ist eigentlich außer Streit. Die Ausgleichszulage für natürliche Nachteile wird weiter stabil bleiben. Bei den neuen Flächenprämien wollen wir österreichweit einheitliche Sätze. Neu wird das Agrarumweltprogramm. Da müssen wir noch verhandeln“, sagt Steixner. Bei den Flächenprämien liegen die Hektarsätze in Tirol im Schnitt bei 104 Euro. Der österreichische Durchschnitt liegt bei in etwa 250 Euro. „Es muss einen Ausgleich geben“, so Steixner.
Massive Angriffe gegen die Landwirtschaft
Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger kritisiert die massiven Angriffe gegen die Landwirtschaft: „Die Debatten rund um Vermögens- und Grundsteuern und die landwirtschaftlichen Pauschalierungen im Einheitswertsystem sind ideologisch motiviert. Anstatt bei den öffentlichen Ausgaben zu sparen, wollen Grüne und Sozialisten die Grundbesitzer und Häuslbauer schröpfen. Dagegen wird sich die Volkspartei stellen“.
Für den Bezirk Kitzbühel stellt das Auslaufen der Milchmengensteuerung in Europa eine große Herausforderung dar. „Wir müssen den Bauern Sicherheit geben. Die Milchquote hat für einen geregelten Absatz im Berggebiet gesorgt. Damit wurde auch die Milchproduktion auf den Almen gesichert. Bei einem Wegfall ist das gefährdet“, erklärt Kammerpräsident Hechenberger. Er fordert die Tirol Milch auf, sich gemeinsam mit den Bauern und der Interessensvertretung für neue Regelungen stark zu machen. Landwirtschaftskammer und Bauernbund laden bereits am 21. Jänner 2012 zu einer groß angelegten Milchwirtschaftstagung. „Wir haben Experten aus der Schweiz zum Gespräch geladen. Dort ist vor zwei Jahren die Milchmengensteuerung abgeschafft worden – mit fatalen Folgen. Der Milchpreis ist ins Bodenlose gefallen. Wir wollen besser aufgestellt sein“, sagt Josef Hechenberger.




